Astitit regina a dextris tuis in vestitu deaurato,

circumdata varietate. (Ps. 44, 10b)


Gedanken über die Schönheit und Reinheit

des katholischen Glaubens und der Liturgie

16 September 2018

Die Herbstquatember

"Der heutige Sonntag geht den Quatenberfasten im Herbste voraus, das bei den Alten Fasten des 7. Monats hieß. Die Väter kündigten diese Bußtage jedesmal dem Volke an und verbunden damit eine Ermahnung zu Buße und Almosengeben. Immer wieder betonen sie, daß christliches Fasten nicht aus Gesundheits- oder Sparsamkeitsgründen geübt werden dürfe, sondern daß sein Hauptzweck die Besserung des Lebens und die Betätigung der Nächstenliebe sein müsse, indem man den Armen zukommen läßt, was man dem Leibe entzieht. Das Quatemberfasten, ein durchaus römischer Brauch, hatte den Zweck die heidnischen Ernte- und Winzerfeste mit christlichem Geiste zu erfüllen. Man ließ daher die Festfeiern mit ihrem Prozessionen durch die Straßen der Stadt und auf dem Lande bestehen, und schob nur vor die hl. Messe, die ein hochfestliches Gepräge trug, das Fasten ein, um Gott den ersten Anteil der neuen Früchte, die Erstlinge der Herbstzeit, zu geben.

Leo der Große machte stets das Volk auf das Quatemberfasten an den vorausgehenden Sonntagen aufmerksam. Unter seinen Werken sind noch neun Reden über das Fasten der Tempora enthalten; sie handeln alle vom Fasten und Almosengeben, keine vom Sonntagsevangelium. Am Schlusse heißt es jedesmal: 'Am Mittwoch und Freitag wollen wir fasten, am Samstag aber feiern wir die Vigilien beim hl. Apostel Petrus.' (So auch in der heutigen 6. Lesung der Sonntagsmatutin, Anm.) Das Fasten am Samstag wurde nicht eigens erwähnt, denn es galt als eine Fortsetzung des Fastens am Freitag und endete erst bei Sonnenaufgang des Sonntags, nach der Vigilfeier in St. Peter."

Ildefons Schuster, Liber sacramentorum, V. Band, Regensburg 1930, S. 154

22 August 2018

Die Orientierungslosigkeit der heutigen Katholiken oder die Frage nach der katholischen Lebensform

Immer wieder wird in traditionstreuen Kreisen richtigerweise auf die Verbindung von Liturgie und Dogma hingewiesen. Als Gewährsmann steht hier der gallische Mönch Prosper von Aquitanien, der zwischen 435 und 442 den Grundsatz überlieferte: „… ut legem credendi lex statuat supplicandi — damit die Regel des Betens die Regel des Glaubens bestimme. Wenn Prosper von Aquitanien auch lediglich die öffentlichen Fürbitten der Kirche (lex supplicandi) erwähnt, besitzt die ganze Liturgie, nicht nur einzelner Texte, in ihrer Grundintention die Beweiskraft für die Frage nach dem authentischen Glaubensinhalt (Fiedrowicz, Michael, Theologie der Kirchenväter. Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflexion, Freiburg 2007, 248). Aus dem Glaubensvollzug der Liturgie ist also der Glaubensinhalt zu erschließen. Wenn die Liturgie, das offizielle Beten der Kirche, den Glauben zum Ausdruck bringt, ist sie jedoch nicht Norm des Glaubens, sondern Bezeugung des Glaubens und Quelle theologischer Erkenntnis (Ebd., 251). Denn das rechte Gebet setzt schließlich den Glauben der Kirche voraus und bringt ihn zum Ausdruck. Dieser letzte Gedanke hat dann Papst Pius XII. dazu geführt, in seiner Liturgieenzyklika Mediator Dei aus dem Jahr 1947 den Satz des Prosper von Aquitanien auch umzudrehen: Durch das Gesetz des Glaubens soll das Gesetz des Betens bestimmt werden. Während sowohl Prosper von Aquitanien im 5. Jahrhundert als auch der heiligmäßige Papst in der Mitte des 20. Jahrhunderts hatten selbstverständlich den überlieferten apostolischen Glauben in der Tradition der Kirche vor Augen, der in einer Wechselbeziehung zum liturgischen Beten steht. Dieses symbiotische Verhältnis von Liturgie und Dogma kann aber auch mißbraucht bzw. pervertiert werden. Wir sehen es deutlich spätestens seit den letzten 50 Jahren. Wo das Glaubensgut verundeutlicht oder abgeschwächt wird, hat es auch Auswirkungen auf die Liturgie. Die Liturgie wird verändert, nicht in einem organischen Sinn, sondern als Überlieferungsabbruch, Neuerung (so wie Paul VI. von der „Neuen Messe“ sprach). Eine „neue“ Liturgie kann umgekehrt nicht wirkungslos auf den Glauben sein — wir sehen den Glaubensabfall der Katholiken spätestens seit dem II. Vaticanum. Eine „neue Messe“ bringt auch einen „neuen Glauben“ hervor, samt „neuem Katechismus“ und „neuem Kirchenrecht“.

Was ist also in der heutigen Zeit der Orientierungslosigkeit zu tun?
Am überlieferten Glauben und an der überlieferten Liturgie ist festzuhalten. Reicht das? Nein. Der Lehrsatz von lex orandi und lex credendi ist hinlänglich bekannt. Man müßte ihn allerdings erweitern. Denn zur lex credendi, zum rechte Glauben, gehört als Konsequenz eine lex vivendi vel agendi, ein Gesetz des (richtigen) Lebens oder Handelns. Ich kann nicht den überlieferten Glauben haben und zugleich eine unangemessene Lebensweise. Deshalb gehört seit dem Tridentinischen Konzil die Moraltheologie zur systematischen Theologie mit dem Hauptfach Dogmatik. Diese beinhaltet die Glaubenslehre und Dogmen, jene die aus der Offenbarung stammenden Normen und Anweisungen für das sittliche Handeln. Dieses Handeln schlägt sich dann auch wieder in entfernteren liturgischen Diziplinargesetzen nieder, wie bspw. den Regeln für einen würdigen Kommunionempfang (frei von schwerer Sünde, Nüchternheitsgebot) oder den verbindlichen Festtagen mit ihrer Meßverpflichtung für die Gläubigen. So schließt sich der Kreis über Liturgie-Glaubensgut-moralisches Leben wieder hin zur Liturgie. Der traditionsverbundene Katholik wird also nicht nur die „alte Messe“ aufgrund ihrer Schönheit, Klarheit, Wahrheit und Reinheit besuchen, er erkennt in ihr und durch sie zugleich den überlieferten Glauben, der bis auf die Apostel zurückgeht. Dann aber sieht er auch die Aufforderung, diesem Glauben, ausgedrückt im „gefeierten Dogma“ der heiligen Liturgie, durch sein eigenes Leben zu entsprechen, nach den moralischen Normen der Kirche und durch ein angemessenes sittliches Leben entsprechend dem Evangelium und dem Aufruf, sich zu heiligen bzw. heiligen zu lassen. In all dem erkennt der Katholik die einzigartige katholische Lebensform.

Was ist abschließend zur Orientierungslosigkeit der heutigen Zeit zu sagen? Im Benedictus an jedem frühen Morgen im Offizium der Kirche ist vom „oriens ex alto“, dem Aufgang aus der Höhe, der uns heimgesucht hat, die Rede, Jesus Christus, der hinabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat und den wir als oriens, als aufgehende Sonne am Ende aller Zeiten als Weltenrichter zurück erwarten. Nur Christus kann uns die einzig wahre Orientierung geben.

21 Juli 2018

Siebte Interationale Romwallfahrt Des Freundeskreises Summorum Pontificum

Siebte Interationale Romwallfahrt
Des Freundeskreises Summorum Pontificum
26. – 28. Oktober 2018

In 2018 findet die siebte Internationale Romwallfahrt des Freundeskreises von Summorum Pontificum wieder an ihrem gewohnten Datum, dem Wochenende des Christkönigsfestes, von Freitag, dem 26., bis Sonntag, dem 28. Oktober, statt.

14 Mai 2018

Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech

Heute feiert Pastor Dembski den Jahrestag seiner Priesterweihe.


Herzliche Segenswünsche! Wir danken Ihnen für Ihren intensiven Einsatz im Norden und für Ihre Wertschätzung und Pflege der überlieferten römisch-katholischen Liturgie. Vergelt's Gott!




Quellen: Amtsblatt, Erzbistum Hamburg; BNF/Bibliotheque nat'l, France

09 Mai 2018

Christi Himmelfahrt

Auf dem Ölberg in Jerusalem ist in der sog. Himmelsfahrtskapelle (die man nur gegen Bezahlung betreten kann) in einer Umfassung der Fußabdruck Christi auf dem Felsen kurz vor Seiner Himmelfahrt zu sehen.

Die heilsgeschichtlichen Stationen Jesu Christi sind nicht einfach nur literarisch oder mystisch zu begreifen, sondern auch ganz dinglich, real.

Die großen Feste von Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten sind keine Erinnerungen an einen Mythos, sie sind historisch greifbare Tatsachen, auch wenn die gefeierten Begebenheiten jeweils das Natürlich-Kreatürliche übersteigen (extra cursum naturae).

Im überlieferten römischen Ritus wird das Entschwinden Christi in den Himmel dadurch ausgedrückt, daß nach dem Evangeliumsvortrag die Osterkerze ausgelöscht wird.

Die schöne Illustration, wie alle Illustrationen in den alten Pustetmissalien vom Redemptoristenbruder Frater Max Schmalzl (1850-1930) gemalt, zeigt in der Mitte natürlich den Heiland bei seiner Himmelfahrt. Auch die Fußabdrücke sind gut zu erkennen.
Dann werden die beiden typologischen Vorbilder der Himmelfahrt Christi aus dem Alten Testament präsentiert:
Die Himmelfahrt des Henoch (Gen. 5, 24) auf der linken Seite: "...und (Henoch) war nicht mehr zu sehen, denn Gott nahm ihn hinweg" und die Erzählung von Elias (IV Reg. 2, 11) auf der rechten Seite: "... siehe, da erschien ein feuriger Wagen und feurige Pferde und trennte beide (Elias und Eliseus) voneinander; und Elias fuhr im Sturme in den Himmel".

06 Mai 2018

5. Sonntag nach Ostern - Ein kleiner Ausflug in die Lehre von der Gnade

Gott ist die Quelle alles Seins; darum bitten wir ihn um die Gaben der Gerechtigkeit und Heiligung, und um die Kraft, sie im Werke zu vollbringen. Wie gering sind demnach unsere Verdienste an dem wenigen Guten, das wir tun! Der erste Gedanke, die Hinneigung des freien Willens, die Ausführung des guten Vorsatzes, alles das kommt von Gott. Unser ist nur die Mitwirkung mit der Gnade, denn wir sind vernunftbegabte Geschöpfe, aber auch hier greift Gott helfend ein. Wie demütig müssen wir also Gott gegenüber sein, und wie wenig dürfen wir uns vertrauen! Die Demut lenkt all unsere Beziehungen zu Gott.
Ildefons Schuster, Liber Sacramentorum, IV. Band, Regensburg 1928, S. 117.

Das Tagesgebet, die Oration der heutigen Messe lenkt unseren Blick auf den Zusammenhang von zuvorkommender und nachfolgender Gnade.

Die zuvorkommende Gnade ist diejenige Gnade Gottes, "insofern sie ohne unsere freie Mitwirkung Erleuchtungen des Verstandes und Anmutungen des Willens zum Guten in uns hervorruft, um zu freien übernatürlichen Akten anzuregen" (J. B. Heinrich, Lehrbuch der katholischen Dogmatik, hrsg. v. Ph. Huppert, Münster 1900, Nr. 1448).
Diese Gnade geht also unserem freien Wollen voraus, will uns jedoch zu freien Willensakten anregen oder befähigen; sie ruft uns und will uns zum guten Wollen vorbereiten.
Diese göttliche Anregung ist also noch nicht unser freies Wollen selbst, sondern es sind unwillkürliche Akte unserer Seele, die zum freien Wollen anregen, so bspw. Erleuchtungen unseres Verstandes, Bewegungen des Gefühls oder Anmutungen des Willens (Heinrich, 1449).
Die zuvorkommende Gnade finden wir auch in der Hl. Schrift, z. B. Apoc. 3, 20 "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und mir die Tür aufmacht, so werde ich zu ihm eingehen und mit ihm Mahl halten und er mit mir.", so auch das Konzil von Trient im Dekret über die Rechtfertigung (DH 1525).

Die nachfolgende Gnade Gottes unterstützt den freien Willensakt des Menschen, wirkt mit ihm mit, begleitet ihn, "nicht als ob sie (i. e. die Gnade, Anm.) zu dem aus sich selbst wollenden Willen erst hinzukäme, sondern vielmehr so, daß der Wille mit ihr wirkt und sie die erste und übernatürliche, der Wille aber die zweite und natürliche Ursache des fraglichen übernatürlichen freien Aktes ist" (Heinrich, 1450).
Gott und Mensch sind hier also gleichzeitig tätig. Gott wirkt in uns mit (bzw. der Mensch wirkt mit Gott mit), so daß der Akt zum Guten ein gemeinsames Werk der Gnade Gottes und des freien Willens des Menschen ist (s. auch hier das Konzil von Trient, DH 1525).

Beide Arten der Gnade kann man zwar unterscheiden, man sollte sie jedoch nicht trennen.
"Dieselbe Gnade ist, indem sie das Vermögen zu übernatürlich guten Akten und die Anregung dazu gibt, zuerst zuvorkommend und sodann, indem sie das Wollen und Vollbringen selbst verleiht, helfend" (nach Heinrich, 1451). Diese helfende Gnade ist auch zugleich die begleitende Gnade, "insofern sie einen guten Akt oder das ganze Werk unseres Heils bis zur Vollendung fortführt (Heinrich 1452).

Sehr schön wird der Zusammenhang von zuvorkommender und begleitender Gnade Gottes in dem bekannten Gebet Actiones nostras ausgedrückt:



Genau in diese Richtung zielt auch unsere heutige Oration der Sonntagsmesse.


04 Mai 2018

Cave glossam! -- Die nicht ganz ernst gemeinte Kolumne eines Diasporapriesters

Das neue Herrentum

"Hallo, ich bin der Herr Meier*!"
(*Die Namen sind natürlich ausgetauscht und fiktiv.)

So schallt es mir freudig entgegen.
Ein junger Mann, so Anfang Zwanzig, hatte sich mit mir zu einem seelsorglichen Gespräch verabredet. Nun lernen wir uns kennen.
Ich zögere und kann meine ersten Gedankenimpulse trotz dieser strahlenden Begrüßung nicht ganz einordnen. Zum einen freue ich mich, daß ein junger Mensch meinen Dienst als Seelsorger in Anspruch nehmen will. Zum anderen stimmt aber an der Begrüßung etwas nicht. Drei Punkte fallen mir sofort auf.
Da ist dieses ungezwungene "Hallo", mit dem man nun schon überall in vertraulicher Weise begrüßt wird, genauso wie ein unverbindliches "Tschüß" zum Abschied.
Leicht, fluffig, nichtssagend.
Dann der bestimmte Artikel "der". Jeder Mensch müßte doch eigentlich wissen, daß Eigennamen determiniert sind und (allgemein) keines Artikels bedürfen! "Ich bin die Uschi", "Das ist der Thomas", wie falsch hört sich das an und ist doch mittlerweile fast Standard in der Umgangssprache — vielleicht, so muß ich zugeben, sollte ich meinen Grammatikduden von 1959, der mir bislang gute Dienste geleistet hat, doch mal ersetzen …

Was mich aber am meisten irritiert, ist die Selbsttitulation.
Früher (wann das auch immer war) galt: Der Mann nennt sich selbst niemals "Herr".
Wie kernig klang ein "Guten Tag, mein Name ist Schmidt"! Längst vergessen.
Überall nun kommt es mir entgegen, am Fernsprecher "Hallo, hier ist Herr Schulze", per E-Mail "... Mit freundlichen Grüßen, Herr Ostrowski", selbst auf dem Namensschild des Supermarktmitarbeiters: "Herr Klose".
Lauter selbstbewußte Herren sind hier im Kommunikationsdschungel unterwegs.
Sind nun wirklich alle Männer gleichzeitig Herren? Und wo bleiben die Diener? Einen Herren gibt es doch nur, wenn es auch Diener gibt. Genauso kann es nicht nur Häuptlinge geben ohne Indianer, oder nicht?

Wie wohltuend bescheiden habe ich den Brauch bei den Trappisten in der Abtei Mariawald kennengelernt, bei dem sich ein Mönchspriester im Schriftverkehr als „fr. N.“ tituliert. Frater, also Bruder. Nicht Pater. Eine Form der Selbstdemütigung.
Und auch beim alten Hertling lesen wir ähnliches: "Als Unterschrift schreibt man seinen Namen ohne Titel, in gewöhnlicher Schrift, höchstens etwas größer und deutlicher. Sich eine schwungvolle Unterschrift mit Schnörkeln und Faxen angewöhnen, ist lächerlich. Ebenso wenn man den Namen mit der Feder möglichst unleserlich schreibt und darunter mit Maschinenschrift die Entzifferung. Das soll so aussehen, als ob man fünf Sekretäre beschäftigte und täglich Hunderte von Unterschriften zu geben hätte" (Ludwig Hertling S.J., Priesterliche Umgangsformen, Innsbruck 1930) -- dieser Ratgeber ist übrigens auch heute noch, mit gewissen Modifikationen, allen Priestern wärmstens zu empfehlen.

Ist nicht die katholische Liturgie ein wundervolles Zeugnis dieser bewußt gewählten Selbsterniedrigung und Zurücknahme?
Kommt es auch hier dem Zelebranten gegenüber zu ehrfürchtigen Anreden ("Segne, hochwürdiger Vater" oder sogar "hochwürdigster Vater" bei höheren Prälaten), so ist ein bestimmter Titel tabu, die kulturgeschichtlich älteste Anrede an einen Höherstehenden: nämlich "Dominus", "Herr". 
Warum tabu? Der Dominus in der Hl. Schrift und in den liturgischen Texten ist Gott selbst, nur er ist der Herr. Kein Mensch wird also im Kult so angesprochen. Daher gibt es in der Liturgie eine lateinische Kunstform für Sterbliche. Statt "Dominus" wird der Priester nun mit "Domnus" angeredet. Das herausgebrochene "i" soll den seinsmäßigen Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf deutlich machen. Also: "Jube, Domne, benedicere", "Herr, gib den Segen", so bittet der Ministrant nach der Hl. Messe in der Sakristei.

Und wieder einmal bestätigt es sich, was der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate so schon in seiner wundervollen Sozialstudie über die deutsch-europäischen Umgangsformen geschrieben hatte: "Wie bereits erwähnt, ist nach der Überzeugung des französischen Moralisten Joubert die eigentliche Schule der Manieren die Liturgie, und man könnte mühelos darlegen, wie sich aus dem liturgischen Dienst der lateinischen und griechischen Kirche die wesentlichen Formen der Ehrfurcht und des Respekts ableiten lassen, die in den europäischen Manieren so lange bestimmend waren"(Asfa-Wossen Asserate, Manieren, Frankfurt a. M. 2003, S. 112).

Gewiß wollte sich der junge Mann, mit dem ich verabredet war, nicht bewußt herausputzen, erhöhen, wichtigtun. Und so ist mir bald meinen ersten Gedanken zum Trotz ein Rat des äthiopischen Prinzen in den Sinn gekommen: Wer anfängt, anderen schlechte oder falsche Umgangsformen vorzuhalten, hat selbst längst den Boden guter Manieren verlassen.


Übrigens, bei Frauen war es immer anders. Weil im Umgang mit Frauen eben immer irgendwie alles anders ist oder war. Damen hatten den Vorzug, sich selbst mit Frau N. zu bezeichnen, eigentlich aber mußten sie sich nie selbst vorstellen, sondern wurden vorgestellt. Wo das ausblieb, mußten sie nicht einmal gegenüber Herren Ihren Namen nennen. Diese Regeln sind heute natürlich fürchterlich verstaubt. Die selbstbewußte Dame übernimmt heute auch mal die Restaurantrechnung, braucht keine Hilfe, um ihren Mantel überzuziehen und muß auch nicht mehr zwangsweise die Gaststätte hinter dem Mann betreten. Aber das ist eine andere Geschichte …

01 Mai 2018

Der Hl. Joseph, Patron der Gesamtkirche oder Vorbild der Arbeiter?


Im liturgischen Kalender von 1962, der für die sog. außerordentliche Form des römischen Ritus in Gebrauch ist, findet sich heute das Fest des hl. Joseph, des Handwerkers, FESTA S. IOSEPH OPIFICIS. Der hl. Joseph wird also allein durch die Überschrift als ein Mann beschrieben, der mit seinen Händen arbeitete. Im Lateinischen gibt es mehrere Möglichkeiten, Handarbeit auszudrücken, artifex, faber, opifex, mercenarius, operarius etc. Ein opifex ist ein Handwerker, der etwas herstellt, im Gegensatz zum operarius, dessen Tätigkeit man als Arbeiter übersetzen würde.
Wie wir wissen, hat der Hl. Joseph das Handwerk des Zimmermanns ausgeübt, ist also tatsächlich ein opifex.
Das heutige Fest im MR 1962 wurde von Papst Pius XII. 1955 eingeführt. Die Gründe dafür liegen in den sozialen und gesellschaftlichen Fragestellungen der damaligen Zeit. Die Arbeiterbewegung hatte den 1. Mai zum "Tag der Arbeit" proklamiert, und die Kirche versuchte schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit der "sozialen Frage" gerade den Unterschichten, Armen und Benachteiligten zu helfen und auf ihre Probleme in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Die säkularen politischen Bewegungen waren dabei stark von kommunistischen und sozialistischen Gedanken geprägt, Ideologien, die der Kirche und dem Katholizismus widersprechen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war in den westlichen Ländern (besonders in den USA) die Angst vor dem Kommunismus groß, er wurde, nach dem Freimaurertum, als eine große Gefahr für die Kirche angesehen (s. a. die filmische Umsetzung in den "Don Camillo und Peppone-Filmen!).
Es bleibt eine gewisse Spannung und Künstlichkeit in dem 1955 eingeführten Fest. Das Leben des Hl. Joseph ist eben nicht so leicht für soziale Fragen einzuspannen. Sicherlich ist er uns als der ruhige und stille Kontemplative, der mit seiner Hände Arbeit die verborgene Familie von Nazareth ernährte, ein leuchtendes Vorbild. Ihn jedoch für die Arbeiterfrage der in den Fabriken und Industrien schwitzenden Männer (und auch Frauen) als Hilfe anzubieten, ist gewagt.
Die Oration der hl. Messe vom 1. Mai sieht ihn auch eher als Fürsprecher im Hinblick auf unsere Arbeit, egal wo und an welchem Platz. 


Mit Hilfe des hl. Joseph und durch sein Beispiel sollen wir jene Werke ausführen, die Gott uns aufträgt. Doch welche Werke sind das? Und entspricht die Erwerbsarbeit der Menschen immer den Werken, die Gott uns aufgibt? Sicherlich nicht. Sollen wir also nur das mit unserer Arbeit bewirken, was Gott von uns will? Der Sinn dieser Bitte bleibt im Unklaren.

Das Josephsfest vom 1. Mai ersetzte ein anderes Fest, sog. Schutzfest des hl. Joseph. Es wurde 1847 von Papst Pius IX. auf die ganze Kirche ausgedehnt, zunächst am 3. Sonntag nach Ostern begangen, dann von Papst Pius X. auf den 3. Mittwoch nach Ostern gelegt. 
Pius IX. erklärte 1870 den hl. Joseph feierlich zum "Patron der ganzen Kirche" und stellt sie unter seinen himmlischen Schutz, anläßlich der Besetzung Roms durch die Truppen Viktor Emmanuels II.
Die Oration dieses Festes ist im Gegensatz zu der des des 1. Mai allgemeiner und bedient sich der Schemata anderer bekannter Orationen der Liturgie:


Das Fest heißt im Missale IN SOLEMNITATE S. JOSEPH SPONSI B. MARIAE V., CONF. ET ECCLESIAE UNIVERSALIS PATRONI.
Der Bezug zum Josephsfest am 19.3. (das vor und nach 1955 weiterhin begangen wird) wird durch die Titulatur "Bräutigam" deutlich. Zugleich erscheint der Hl. Joseph hier (s. die Lectio Gen. 49, 22-26) als DER Fürsprecher und Schutzherr der Kirche.
1919 ist dann noch die Präfation des hl. Joseph für alle Josephsfeste in das Missale eingegangen.

Zuletzt ist noch zu sagen, daß das Zweite Vatikanische Konzil mit einer liturgischen Änderung im Hinblick auf den hl. Joseph begann. Mit Wirkung vom 8. Dezember 1962 wurde der hl. Joseph durch Papst Johannes XXIII. in den römischen Meßkanon eingeführt, ein Hinweis auf die große Josephsverehrung im 19. und 20. Jahrhundert. Zugleich aber, so kann man es sehen, ein Eingriff in einen seit Papst Gregor dem Großen über ca. 1500 Jahre unveränderten heiligen Text.

Und hat sich hier nicht die sog. "Broken-Windows-Theorie" bewahrheitet?
Ein kleine und (wahrscheinlich) aus Devotion eingefügte Änderung desjenigen Textes, den das Konzil von Trient bezeichnet als "von allem Irrtum rein ... , daß nichts in ihm enthalten ist, das nicht in höchstem Maße den Duft einer gewissen Heiligkeit und Frömmigkeit verströmen läßt" (Konz. v. Trient, 22. Sitzung, Lehre über das Meßopfer, Kap. 4 / DH 1745) am Beginn des letzten Konzils, bewirkt letztendlich (heute) die praktische Abschaffung des röm. Meßkanons und Ersetzung durch andere "Hochgebete", dazu die weiteren Verstümmelungen dieses Kanons im Rahmen der letzten Liturgierefom.

Hl. Joseph, Schutzpatron der Kirche oder Vorbild der Arbeiter?
Es gäbe gute Gründe, das zwar nicht wirklich alte, aber sinnreiche Schutzfest des Hl. Joseph anstelle des Joseph vom 1. Mai zu reaktivieren ...

30 April 2018

Einblicke in das römische Brevier

30. April 
Fest der hl. Jungfrau Katharina von Siena

6. Lesung der Matutin (im Brevier vor 1960)

Ihr Wissen war (von Gott) eingegeben, nicht erworben; den Professoren der hl. Wissenschaften, die ihr die schwierigsten Fragen über die Gottheit vorlegten, konnte sie Antwort geben ... Schließlich ging sie, nach unzähligen Beweisen der Tugend, mit der Gabe der Weissagung und vielen Wundern verherrlicht, ungefähr in ihrem 33. Lebensjahr zum Bräutigam hinüber.


In ihrem Leben setzte die hl. Katharina die Mahnung des hl. Jakobus um, die heute in der 3. Lesung steht:

Eine reine und makellose Frömmigkeit vor dem Gott und Vater ist das: die Waisen und Witwen in ihrer Not besuchen und sich unbefleckt  bewahren vor dieser Welt.
(Jac. 1, 27)

Gemeindefahrt Sommer 2018

Herzliche Einladung!

29 April 2018

4. Sonntag nach Ostern

Oratio (Kollekte)
"Gott, der Du die Herzen der Gläubigen eines Sinnes machst, so laß Dein Volk lieben, was Du gebietest, ersehnen, was Du versprichst, damit inmitten allen weltlichen Wechsels unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freunden sind. Durch unseren Herrn ..."


Die Kollekte weist auf das Wunder des Glaubens hin, der eine große Schar von Gläubigen eint und zum ewigen Heile führt. Da nun der Heiland durch die Einheit der Lehre sich als wahrer Lenker der Herzen zeigt, so flehen wir ihn an, er möge unser Herz so leiten, daß unser Sinnen und Trachten im steten Wechsel der zeitlichen Dinge stets dahin gehe, wo allein die wahre Freude ist, d. h. zu Gott. alles in dieser Welt wandelt sich, vergeht und schwindet. Gott allein bleibt in Ewigkeit.

Ildefons Schuster, Liber Sacramentorum, IV. Band, Regensburg 1928, S. 114.